Im Jahr 1974 entwickelte der ungarische Bauingenieur Ernő Rubik ein Spielzeug, das schon kurze Zeit später seinen Siegeszug um die Welt antreten sollte. Die Rede ist vom berühmten Rubik’s Cube, der auch als Zauberwürfel bekannt ist. Einem Geduldsspiel, das noch heute Menschen rund um den Globus in den Wahnsinn treibt. Jede Seitenfläche des Würfels hat eine andere Farbe – doch die 26 Steinchen, aus denen er besteht, können durch Drehen seiner Ebenen in ein regelrechtes Farb-Chaos gebracht werden. Ziel des Spiels ist es, diese Unordnung zu sortieren und dem Würfel wieder seine einfarbigen Seitenflächen zu verleihen.

Am 28. Oktober 1976 wurde dem Spielzeug in Ungarn das Patent erteilt. Erst brachte man das Geduldsspiel in England auf den Markt, 1979 vergab die ungarische Regierung die weltweiten Verkaufsrechte an die amerikanische Ideal Toy Corporation. Noch im gleichen Jahr erreichte Rubiks Würfel auch Deutschland: Er wurde auf der Nürnberger Spielwarenmesse vorgestellt und war 1980 in deutschen Spielwarengeschäften zu haben. Seitdem bissen sich unzählige Menschen am Würfel die Zähne aus. Heute gibt es dafür unzählige Anleitungen, Algorithmen und Lösungsvorschläge. Sogar Meisterschaften werden ausgetragen, der aktuelle Weltrekord für das Lösen eines völlig verdrehten Würfels liegt bei etwas mehr als vier Sekunden.

Schneller dürfte es kaum möglich sein, oder? Wer das dachte, liegt falsch: Zeitgleich mit der weltweiten Verbreitung des Zauberwürfels entdeckten auch die Täuschungskünstler der Welt das Spielzeug für sich. Wenn das Knobelspiel schon Zauberwürfel heißt, wird man damit doch auch zaubern können, oder? Für Magier ist das blitzschnelle Lösen des Würfels heute keine Herausforderung mehr, denn unzählige Erfinder aus der Welt der Zauberei haben sich mit diesem Problem beschäftigt, Lösungen und Techniken entwickelt und Produkte auf den Markt gebracht, die verschiedene Effekte mit dem berühmtesten Spielzeug der 80er-Jahre ermöglichen.

Der erste Zaubertrick dieser Art kam schon im Jahr 1980 auf den Markt, im gleichen Jahr, in dem auch der Siegeszug des Rubik’s Cube begann. Damals brachte der amerikanische Zauberkünstler Daryl den „Enchanted Cube“ in den Fachhandel. Die Idee hatte der Erfinder Craig Nicholas aus Phoenix in Arizona, Daryl erwarb die offizielle Lizenz für die Vermarktung. Beim „Enchanted Cube“ zeigt der Zauberkünstler einen komplett verdrehten Zauberwürfel. Der Cube wird in die Luft geworfen, wieder gefangen – und ist plötzlich gelöst. Noch heute gilt der „Enchanted Cube“ als Klassiker. Und als Kunststück, das später eine ganze Welle an Zauberwürfel-Effekten auslösen sollte. Denn heute haben die meisten Zauberer einen Cube-Effekt in ihrem Repertoire – ob sie Close-Up oder Stand-Up zaubern.

Eine der meist beachteten Arbeiten zum Thema kommt von Steven Brundage, einem amerikanischen Zauberer. Über Jahre beschäftigte er sich intensiv mit der Magie des Rubik’s Cube – und bekam dadurch internationale Aufmerksamkeit, dass er im Jahr 2016 in der elften Staffel der TV-Show „America’s Got Talent“ seine besondere Kunst zeigte. Etwas später brachte er sein Produkt „Cube 3“ auf den Markt. Käufer erhalten einen Speedcube, dessen Ebenen besonders schnell gedreht werden können, und eine ausführliche Anleitung zum effektvollen Lösen des Würfels. Steven Brundage erklärt dabei auch verschiedene Einsatzmöglichkeiten für seine Technik. In der wohl bekanntesten Variante wirft er den verdrehten Würfel hinter seinen Rücken – wenn er wieder aufgefangen wird, hat sich der Cube wie von Zauberhand von selbst gelöst. Inzwischen war der US-Magier auch in der Seminar-Reihe „At the Table Live Lecture“ zu Gast, erklärt hier Teile seiner Würfel-Zauberei und weitere Effekte mit Rubiks Würfel. Etwa „Corner to Cube“: Hier wählt der Zuschauer eine Spielkarte, von der zur Kennzeichnung eine Ecke abgerissen wird. Diese Ecke löst sich in Luft auf und erscheint in einem Zauberwürfel, den der Zuschauer von Anfang an in den Händen hielt. Die Aufzeichnung des Seminars ist online als Download erhältlich.

Auch der Zauberkünstler Henry Harrius aus Hong Kong hat sich mit besonderen Zauberkunststücken mit dem Rubik’s Cube in der Szene einen Namen gemacht – er gilt heute als einer der besten Zauberwürfel-Magier der Welt. Er brachte unter anderem das Produkt „Rubiks Dream“ auf den Markt, mit dem unglaubliche Zauberwürfel-Effekte möglich sind. Mit seiner Kunst gewann er unter anderem den ersten Preis bei der Weltmeisterschaft der Zauberkunst im Jahr 2015. Nun gibt er das Geheimnis auch an andere Magier weiter: Zum Zaubertrick „Rubiks Dream“ gehört neben dem Würfel auch eine speziell entwickelte Shell, die interessante Effekte möglich macht. Auch für den wohl unglaublichsten Zauberwürfel-Zaubertrick, die „Sympathetic Cubes“, hat der chinesische Künstler eine eigene Lösung entwickelt. Bei diesem Effekt mischen der Zauberer und ein Zuschauer jeweils einen Würfel, verdrehen ihn nach allen Regeln der Kunst, bis alle sechs Seiten in den unterschiedlichsten Farben leuchten. Dennoch stimmen am Ende beide Würfel auf magische Weise überein, alle sechs Seiten beider Rubik’s Cubes sehen exakt gleich aus. Das Produkt „Venom Cube“ von Henry Harrius ermöglicht dieses besondere Kunststück.

Neben diesen in der Zauberer-Szene sehr angesagten Produkten gibt es auch diverse andere Lösungen, die von Erfindern aus der ganzen Welt realisiert wurden, um mit dem Würfel zu zaubern. Federico Poeymiro entwickelte etwa einen Trick namens „Magikub“, der ebenfalls das blitzschnelle Richten des verdrehten Würfels möglich macht, die Seiten des Knobelspiels ordnen sich innerhalb einer Sekunde. Der bekannte amerikanische Zauberkünstler Gregory Wilson brachte ebenfalls eine eigene Version in den Handel: „Rubicon“ ist, auch preislich, im Profi-Segment angesiedelt – möglich sind damit neben dem schnellen Lösen des verdrehten Würfels auch die „Sympathetic Cubes“. Bei „Cubic“ von Frances Menotti geht es wiederum nicht nur um den Würfel, sondern auch um das Mysterium des magischen Quadrats. Menotti entwickelte einen Würfel, dessen farbige Steinchen zudem mit verschiedenen Zahlen versehen sind. Der Zuschauer darf diesen Cube nach Herzenslust verdrehen. Dann passiert das Unglaubliche: Am Ende ergibt sich, wie bei einem magischen Quadrat, aus den Spalten und Zeilen jeder Würfel-Seite eine Summe, die der Zauberkünstler vorhergesagt hat. Mathematik trifft Rubiks Würfel!

Nicht zuletzt wird der Würfel auch als Element in verschiedenen anderen Zauberkunststücken genutzt. So gibt es die „Cube Cards“ von Kev G – damit sind Zaubertricks möglich, bei denen sich aufgedruckte Würfel verwandeln. Ein schönes Kunststück, das eigenständig vorgeführt werden kann, aber auch eine Ergänzung zu jeder Rubik’s-Cube-Routine ist.

Nicht nur Zaubertricks mit den passenden Hilfsmitteln sind aber auf dem Markt erhältlich. Immer wieder brachten Künstler auch ihre Ideen in Form von Literatur oder DVDs in den Fachhandel. Wer etwa genau wissen möchte, welche Lösungsstrategien es für das Bezwingen des Zauberwürfels gibt und mit welchen Strategien es jeder schaffen kann, im verdrehten Geduldsspiel für Ordnung zu sorgen, der kann zu „Rubik Remembered“ greifen. Mark Elsdon erklärt hier Techniken, mit denen es unter anderem möglich ist, einen verdrehten Würfel in den Originalzustand zu versetzen. Und zwar mit verbundenen Augen und in weniger als zwei Minuten! Zudem ist die DVD „Rubiks Nightmare“ erhältlich – hier erklärt Michael Lam seine TV-geprüfte Routine, die die Idee der „Sympathetic Cubes“ mit dem Sortieren der Seiten-Farben. Eines der umfangreichsten Werke zum Thema Würfel-Zauberei ist aber wohl die dreiteilige DVD „Cube FX“ von Karl Hein und John George. Neben Lösungsstrategien werden hier auch zahlreiche Ideen zur Zauberei mit Rubiks Würfel vorgestellt und besprochen.

Nur eines können auch passionierte Zauberer nicht: Den echten Weltrekord im Lösen des Zauberwürfels brechen. Denn so schön und unglaublich ein Trick ist, bei dem ein verdrehter Rubik’s Cube innerhalb von Millisekunden plötzlich gelöst wird – jene, die hier antreten, dürfen keine Gimmicks nutzen, sondern einzig und allein ihren lange antrainierten Gehirnschmalz. Übrigens: Alle, denen ein normaler Rubik’s Cube nicht schwer genug ist, finden im Fachhandel auch speziellere Editionen des Würfels. Bekannt ist beispielsweise die V-Cube-Reihe, dazu gehören Würfel in der Größe 2×2, 3×3 und 4×4. Vor allem letzterer ist mit seinen insgesamt 54 Steinchen etwas für echte Profis.