3. Oktober 2003 – ein Abend, nach dem nichts mehr sein sollte, wie zuvor. Ein tragischer Unfall, oder wie sie es nennen, die “Sache”, hat das Leben von Siegfried und Roy, dem wohl bekanntesten Magier-Duo der Welt, für immer verändert.

Aus Schmusekatze wird Tiger

Montecore

Montecore

Es sollte ein Abend wie schon viele zuvor werden: eine großartige Bühnenshow, zwei Magier, denen das Publikum zu Füßen liegt. Und als Höhepunkt der Show: der weiße Tiger Montecore. Doch dann geschieht das Unfassbare: vor den Augen der Zuschauer wird Roy von dem Tiger angegriffen und schwer verletzt. Noch bevor das Publikum verstehen konnte, was gerade eben passiert war, war Roy schon auf dem Weg ins Krankenhaus. Er kämpfte ums Überleben. Roy selbst spricht auch Jahre nach dem Vorfall lediglich von “dieser Sache”, ein Tigerangriff sei es nicht gewesen. Denn wenn ein Tiger angreift, sei man hinterher tot. Montecore habe ihn lediglich schützen wollen. Laut eigenen Aussagen habe er während der Show einen leichten Schlaganfall erlitten. Aufgrund ihrer engen Bindung habe Montecore dies gespürt, und ihn, Roy, in Sicherheit bringen wollen. Mit fatalen Folgen. Wochenlang kämpften Ärzte um das Leben des Magiers, sein engster Vertrauter Siegfried wich dabei niemals von seiner Seite. Heute, 11 Jahre nach dem Unglück, haben sich die beiden aus dem Showbusiness zurückgezogen.

Die Geparden-Schmuggler

Begonnen hat die magische Erfolgsstory auf einem Kreuzfahrtschiff. Dort lernten sich Siegfried und Roy kennen. Im zarten Alter von 13 Jahren brach Roy die Schule ab und heuerte auf dem selben Schiff an, auf dem Siegfried gerade als Magier tätig war. Roy wurde sein Assistent. Schnell einigten sich die beiden, dass das Publikum zu mehr bereit sei als nur Hasen und Tauben aus Hüten zu bewundern. Wie wäre es zum Beispiel mit einem waschechten Geparden? Wie auch immer sie es geschafft haben, in den darauffolgenden Shows war Gepard Chico mit von der Partie. Und ihre Show wurde zu einer begehrten Attraktion. Doch der Weg zum Magier-Olymp in Las Vegas war hart und steinig. Die Jahre an Land geprägt von Entbehrungen und Mühsal.

Tiere und Magie? Niemals!

Selbst in Las Vegas glaubte zu Anfang niemand an der Erfolg des Duos. Zauberei mit Tieren? Als deutsches Duo in Vegas durchstarten? Unmöglich. Und doch: Zwei Jahre nachdem die beiden in Las Vegas angekommen waren, wurden sie mit dem Preis “Beste Show des Jahres” geehrt. Der amerikanische Traum war wahr geworden. Seitdem war Las Vegas unzertrennlich mit den Namen Siegfried und Roy verbunden. Kaum jemand ließ sich die Show der beiden entgehen. Wäre der Unfall nicht gewesen, würden die beiden vermutlich noch heute Publikumsmagnet Nr. 1 in Las Vegas sein.

Freunde fürs Leben

Der Unfall hat vieles verändert. Eines jedoch nicht: die enge Verbundenheit zwischen den Magiern und ihren Tieren. Dabei haben sie die Tiere nie nur ausschließlich für ihre Show genutzt, sondern sich privat auch für den Erhalt dieser bedrohten Tierarten eingesetzt. Zudem existiert in der Hotelanlage des Mirage – dort hielten die beiden Zauberkünstler ihre Shows ab – ein Freigehege, in welchem auch heute noch Tiger, Löwen, Panther und Leoparden bewundert werden können. Eben jene Tiere, welchen die beiden Magier ihren Ruhm verdanken. Bis vor kurzem konnte man auch Montecore in jenem Freigehege noch bewundern. Dieser starb jedoch im März 2014 friedlich im Alter von 17 Jahren. Siegfried und Roy genießen inzwischen den Ruhestand auf ihrem Anwesen, das sie liebevoll “little Bavaria” nennen.